Projekt STRADA

Im Notfall zählt jede Sekunde

SAFETY Training Plus GmbH ist Projektpartner.

Fast jeder zehnte Brummi, der über die Alpen rollt, hat Gefahrgut geladen.
Wenn etwas passiert, müssen Rettungskräfte erst am Unfallort in Frachtpapieren blättern, um heraus zu finden, was der LKW geladen hat. Das kostet Zeit. Unter Federführung des Priener Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ) soll deshalb ein einheitliches, elektronisches System entwickelt werden, das Gefahrguttransporte sicherer macht.

Überschrift

„Strada“ steht für „Safer Transport of dangerous goods“, also den sichereren Transport gefährlicher Güter.

Vertreter von Ministerien, der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Wirtschaft, Rettungsdiensten (vertreten durch die Regierung), Transportunternehmern und Wissenschaftlern trafen sich am 25. Juli 2011 in Prien zur ersten Bestandsaufnahme. Sie wollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und haben sich vorgenommen bis Ende 2012 mit Praxistests auf der sogenannten Tauernachse ein System zu präsentieren, das Gefahrguttransporte nicht nur sicherer macht, sondern auch den Spediteuren etwas anderes bringt als zusätzlichen bürokratischen Aufwand und Kosten - im Idealfall sogar Verbesserung.
Ihre Hoffnung ist die sogenannte Telematik. Wie die Wortkombination aus Telekommunikation und Information erahnen lässt, werden dabei mindestens zwei Technologien für spezielle Zwecke verknüpft. Würden Daten von Gefahrguttransporten elektronisch für alle Beteiligten zugänglich, könnten diese Transporte besser organisiert werden. Und Rettungsdienste hätten im Ernstfall schon Informationen für die richtigen Maßnahmen zur Hand, bevor sie an einer Unfallstelle eintreffen, und könnten zum Beispiel die erforderlichen Gerätschaften gleich dorthin mitnehmen.
Im „Strada“- Verlauf  gilt es, eine Lösung zu finden, die vor allem für den Mittelständler unter den Transportunternehmern passt. Denn das ist die Masse: Vier von fünf Speditionen haben zehn oder weniger LKW auf der Straße. Vor allem für sie wird ein neues System umso interessanter, je besser es gelingt, darin verschiedene Anforderungen zu kombinieren. Denn schon jetzt gleicht manches Brummiführerhaus fast einem Flugzeug-Cockpit, unter anderem, weil bei Transporten über Ländergrenzen hinweg diverse Geräte für Mautsysteme in den einzelnen Ländern an Bord sein müssen.
Dass ausgerechnet die Tauernachse zur Versuchsstrecke auserkoren wurde, liegt nicht nur an daran, dass diese Alpentransversale mit vielen Brücken und Tunneln besonders anspruchsvolles Terrain ist. Das LKZ hat dort schon in einem früheren Projekt die Fahrzeiten auf die Schiene und damit auch deren Auslastung gesteigert. Fischer und seine Mannschaft kennen das potenzielle Übungsgelände also bestens.
Und die Tauernroute hat traurigen Symbolcharakter. Im Mai 1999 verbrannten im Tauerntunnel zwölf Menschen, als nach einem Auffahrunfall ein mit Lacken beladener Lkw, also ein Gefahrguttransporter, in Flammen aufging. In 2011 wurde die Sicherheit durch die Inbetriebnahme einer zweiten Tunnel-Röhre verbessert. Mit Hilfe der Telematik wollen die Beteiligten ein System entwickeln, das nicht nur Rettungskräften den elektronischen Zugriff auf Informationen über Gefahrguttransporte ermöglicht, sondern auch den Spediteuren die Möglichkeit gibt, Transporte lückenlos zu dokumentieren. Die Kunst wird darin liegen, diese zu vernetzen und dabei eventuell auch bürokratische Hürden, wie verschiedene Gesetze in einzelnen Alpenländern zu überwinden beziehungsweise zu ändern.
Im LKZ wurden beim Auftaktstreffen zunächst Arbeitspakete für die einzelnen Beteiligten geschnürt. Im November soll in Genf bei einer internationalen Konferenz ein erster Zwischenbericht vorgestellt werden. 

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Teilnehmer der ersten Projektsitzung