Die korrekte Ladungssicherung im LKW ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern auch entscheidend für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden. Eine unsachgemäße Sicherung kann zu Unfällen mit schweren Folgen führen, insbesondere bei Gefahrguttransporten. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Vorschriften gelten, wer die Verantwortung trägt und wie Sie eine effektive Ladungssicherung umsetzen.
Welche Vorschriften gelten für die Ladungssicherung im LKW?
In Deutschland gibt es verschiedene Vorgaben zur Ladungssicherung, die hauptsächlich auf nationaler und europäischer Ebene geregelt sind. Hier sind einige der wichtigsten Regelwerke und Vorgaben:
§ 22 StVO – Sicherung der Ladung
Gemäß § 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO) müssen Ladungen so gesichert sein, dass sie selbst bei Vollbremsung nicht verrutschen, umfallen, herunterfallen oder vermeidbaren Lärm verursachen können. Diese Vorschrift gilt für alle Fahrzeuge, die Güter transportieren.
§ 23 StVO – Pflichten von Fahrzeugführenden
Nach § 23 StVO sind die Fahrzeugführenden dafür verantwortlich, dass die Ladung vorschriftsmäßig gesichert ist und die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung nicht leidet.
§ 412 HGB – Verantwortung des Absenders und Frachtführers
Nach § 412 HGB Handelsgesetzbuch ist der Absender dafür verantwortlich, dass das Gut so verladen wird, dass es während des Transports sicher ist. Der Frachtführer (also derjenige, der den Transport durchführt) ist dafür verantwortlich, dass die Verladung betriebssicher ist. Das bedeutet, dass er sicherstellen muss, dass das Gut während des Transports nicht gefährdet wird und dass der Transportbetrieb selbst sicher abläuft.
VDI 2700 – Technische Regeln der Ladungssicherung
Die VDI 2700 sind technische Richtlinien, die detaillierte Anforderungen an die Ladungssicherung stellen. Sie umfassen Empfehlungen zur Verwendung von Zurrmitteln, Antirutschmatten und formschlüssigen Hilfsmitteln. Diese Richtlinien sind zwar nicht gesetzlich bindend, werden aber in Gerichtsverfahren als Maßstab herangezogen.
EN 12195-1:2010 – europäische Norm zur Ladungssicherung
Die Norm EN 12195-1:2010 ist eine europäische Norm, die sich mit der Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen befasst. Wenn Gefahrgut-Ladungen gemäß dieser Norm gesichert sind, gelten auch die Vorschriften des Unterabschnittes 7.5.7.1. ADR (Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) als erfüllt.
DGUV-Vorschrift 70
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat eine Unfallverhütungsvorschrift für Fahrzeuge herausgegeben. Hier ist in § 37 geregelt:
Beim Be- und Entladen von Fahrzeugen müssen zulässige Gesamtgewichte, Achslasten sowie eine sichere Ladungsverteilung eingehalten werden, damit das Fahrverhalten nicht beeinträchtigt wird und Fahrzeuge weder kippen noch wegrollen können. Außerdem ist die Ladung so zu sichern und zu kennzeichnen, dass keine Gefahr für Personen entsteht und Durchfahrthöhen sowie -breiten jederzeit berücksichtigt werden.
ADR – Gefahrgutrecht- Ladungssicherung
Hier die wichtigsten Vorschriften zur Ladungssicherung im ADR:
- Verlader (1.4.3.1 ADR): Der Verlader muss die Vorschriften bezüglich Beladung und Handhabung beachten.
- Beförderer (Das Unternehmen, das die Beförderung durchführt) (1.4.2.2 ADR): Der Beförderer muss eine Sichtprüfung von Fahrzeug, Ladung und Ausrüstung auf Mängel und Vollständigkeit durchführen.
- Ladungssicherung (7.5 ADR): Die Pflicht zur Ladungssicherung von gefährlichen Gütern wird hier geregelt.
- Nationale Regelungen: In Deutschland ist nach §2 GGVSEB ein Verlader:
– Das Unternehmen, das verpackte gefährliche Güter, Container,… auf ein Fahrzeug verlädt, und
– auch das Unternehmen, das als unmittelbarer Besitzer das gefährliche Gut dem Beförderer zur Beförderung übergibt oder selbst befördert. Das heißt, das Unternehmen, das gefährliche Güter übergibt, muss auch sicherstellen, dass alle Verladerpflichten eingehalten und überprüft werden.
Wer trägt die Verantwortung bei der Ladungssicherung?
Die Verantwortung für die Ladungssicherung liegt je nach Kontext und gesetzlicher Grundlage bei verschiedenen Parteien: Absender, Verlader, Fahrzeugführenden, Beförderer, Fahrzeughalter. Bei Verstößen gegen die Ladungssicherung können hohe Bußgelder und Haftungsfolgen drohen.
Methoden & Anforderungen der Ladungssicherung im LKW
Methoden im Überblick – Kraft- vs. Formschluss
Es gibt verschiedene Methoden zur Ladungssicherung. Es wird zwischen einer kraft- und formschlüssigen Ladungssicherung unterschieden.
1. Kraftschluss
Kraftschlüssige Ladungssicherung wird durch Niederzurren erreicht. Hierbei wird die Ladung mit Zurrgurten oder anderen Zurrmitteln am Untergrund (z. B. der Ladefläche eines LKW) fixiert. Dadurch wird die Reibungskraft verstärkt und es wird verhindert, dass die Ladung während des Transports verrutscht oder sich bewegt.
2. Formschluss
Bei der formschlüssigen Ladungssicherung wird die Ladung lückenlos verstaut und somit gegen Verrutschen und Umfallen gesichert. Wichtig hierbei ist, dass das Fahrzeug stabil gebaut ist.
Eine optimale Sicherung ist gegeben, wenn beide Arten, die formschlüssige, und die kraftschlüssige Ladungssicherung kombiniert werden.
Welche Ausrüstung wird für die Ladungssicherung im LKW benötigt?
Für eine effektive Ladungssicherung sind verschiedene Ausrüstungsgegenstände erforderlich, so zum Beispiel:
- Zurrmittel (Spanngurte, Ketten, Seile): Diese werden verwendet, um die Ladung zu sichern und ein Verrutschen zu verhindern.
- Antirutschmatten: Sie erhöhen die Reibung zwischen der Ladung und der Ladefläche, um ein Verrutschen zu verhindern.
- Kantenschutzwinkel: Sie schützen die Ladung und Zurrgurte beim Niederzurren vor Beschädigungen.
- Formschlüssige Hilfsmittel: Diese umfassen Sperrbalken und andere Vorrichtungen, die die Ladung formschlüssig sichern.
Hinweis: Bei Gefahrguttransporten wird eine weitergehende Ausrüstung gefordert. Weitere Informationen zur ADR-Ausrüstung für LKW und Transporter finden Sie in unserem Blog.
Ist eine Schulung zum Thema Ladungssicherung für LKWs erforderlich?
Ja, eine Schulung zur Ladungssicherung für LKWs ist in vielen Fällen erforderlich – insbesondere für Fahrzeugführende, Verlader*innen und alle Personen, die an der Beladung beteiligt sind.
Grundlage dafür sind unter anderem die zuvor aufgezeigten Vorschriften zur Ladungssicherung, wie die gesetzlichen Vorgaben der Straßenverkehrsordnung sowie Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften. Regelmäßige Schulungen helfen dabei, Unfälle, Bußgelder und Schäden an Ware oder Fahrzeug zu vermeiden.
Die Schulung sollte regelmäßig wiederholt werden, um das Wissen und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden auf dem aktuellen Stand zu halten.
SAFETY Training Plus bietet Ihnen Praxisunterweisungen in Ihrem Betrieb. Alternativ können Sie die Grundlagen der Ladungssicherung in unserem Online Kurs erlernen.
Grundlagen der LadungssicherungCheckliste zur Ladungssicherung im LKW
- Ladung richtig verstauen: Die Ladung sollte gleichmäßig verteilt und möglichst formschlüssig verstaut werden.
- Zurrmittel verwenden: Spanngurte, Ketten oder Seile sollten verwendet werden, um die Ladung zu sichern und niederzuziehen.
- Antirutschmatten einsetzen: Antirutschmatten erhöhen die Reibung und verhindern ein Verrutschen der Ladung.
- Kantenschutz verwenden: Kantenschutzwinkel schützen die Ladung vor Beschädigungen.
- Ladungssicherung überprüfen: Vor Antritt der Fahrt sollte die Ladungssicherung überprüft werden.
Fazit: So gelingt die Ladungssicherung im LKW
Die korrekte Ladungssicherung im LKW ist entscheidend für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden. Durch die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften, die Verwendung der richtigen Ausrüstung und regelmäßige Schulungen können Unfälle vermieden werden. Nutzen Sie unsere Checkliste und Schulungsangebote, um die Ladungssicherung in Ihrem Unternehmen sicherzustellen.